"Aus der Absicht, die allmählich sich selbst und ihrer Wirkung bewusst wird, bildet sich die Richtung im eigentlichen Sinne des Wortes und mit ihr die Ausdehnung."
J.-M. Guyau 1890, Die Entstehung des Zeitbegriffs




Abb.: Insistierend im "Pflaster-Dialog" (Alter: 2;5)



Sobald das Kind ein und dasselbe Adverb in verschiedenen Sprechsituationen gebraucht, kann man vom eigentlichen Beginn des Gebrauchs von Adverbien sprechen. Bei den hier analysierten Kindern war dies das Lokaladverb "da". Allerdings muß hier der situative und dialogische Kontext genau betrachtet werden, um den adverbialen Gebrauch ("da" im Sinne von "dort an dieser Stelle") vom Gebrauch als Demonstrativa ("da" im Sinne von "da ist was") zu unterscheiden. Zunächst wendet das Kind eine Wortgruppe mit einem Adverb, nicht das Adverb als eine operativ verfügbare Einheit an.

Adverbien erscheinen etwa zu Beginn des 3. Lebensjahres. Ihr anfängliches Auftreten in initiativen kindlichen Äußerungen steht im Zusammenhang mit den bisherigen Angebotskontexten.
Hinweis zu Adverbien:
Adverbien bestimmen Wörter (besonders Verben) in einem Satz näher. Sie beschreiben ein Geschehen oder einen Zustand. Dabei können sie als eigenständiges Satzglied oder als Teil eines Satzgliedes auftreten. Lokal- und Temporaladverbien erscheinen schon am Ende des 2. Lebensjahres in der spontanen Sprache des Kindes.

Beispiele für Adverbien beim Mitteilen und in der erzählerischen Darstellung
Bezeichnungen für den Zeitpunkt: - vergangen: anfangs, damals, neulich, vorhin, gestern... - gegenwärtig: jetzt, eben, gerade, nun, endlich, heute... - zukünftig: bald, dann, demnächst, morgen... Bezeichnungen für die Zeitdauer: - immer, noch, stets, nie, bisher, seither, zeitlebens... Bezeichnungen für die Wiederholung: - jedesmal, jederzeit, mehrmals, manchmal, nochmals, oft, selten, zeitweise, wieder, täglich, wöchentlich, abends, montags.....

Adverbien, hier insbesondere die zeit- und raumbezogenen Adverbien, sind bereits sehr früh im Sprachangebot des Erwachsenen erhalten. So konnte in den Längsschnittbeobachtungsstudien ermittelt werden, dass Lokal- und Zeitadverbien in prädikativer Verwendung schon in der ersten Hälfte des 2. Lebensjahres in den elterlichen, an das Kind gerichteten Äußerungen den Mitteilungsschwerpunkt erhalten.
Beispiele sind:
"Lisa kommt morgen."
"Das machen wir nachher."
"Das liegt da hinten." usw.

Dialogbeispiele für den ersten kindlichen Gebrauch von Orts- / Richtungsangaben mit Adverbien:



ALTER:       1;9
SITUATION:   Das Kind hört einen laut bellenden Hund,
             ohne ihn zu sehen:
KIND:        But daußen (Hund draußen)


ALTER:       2;1
SITUATION:   Das Kind sieht in etwas größerer Entfernung
             ein Fahrrad auf einem Weg:
KIND:        Vone Chachad (ch2, vorne Fahrrad)


ALTER:       2;6
SITUATION:   Das Kind möchte ein unerreichbares Buch aus einem
             Regal haben:
KIND:        Papa, oben sind die Bücher hinten [zeigt nach oben].


ALTER:       2;3
SITUATION:   Das Kind wird gefragt:
ERWACHSENER: Wo ist denn dein Eimer?
KIND:        Da is ein unten [zeigt in eine Zimmerecke]




Abb.: Das Kind sieht, wie die Mutter im Begriff ist, mit dem Auto wegzufahren (Alter: 2;10)





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Autor: Bernd Reimann © 1998-2017