Abb.: Das Kind zeigt auf einen gerade aufgestellten Zylinder-Baustein (Alter: 2;10)


Der anfänglich (ganz normale) fehlerhafte Gebrauch von Artikeln steht auch hier in einem engen Zusammenhang zur Wahrnehmung von Äußerungen, in denen Artikel häufig von den Bezugspersonen gebraucht werden. Die Betrachtung der initiativen und reaktiven Sprache zeigt folgende, sich auf den Artikelgebrauch des Kindes auswirkende Erscheinungen:

  • Eltern benennen häufig Objekte als Reaktion auf Fragen des Kindes, oder sie weisen auf Objekte an einem bestimmten Ort hin. In beiden Fällen erscheint die Benennung des im Fokus der Aufmerksamkeit befindlichen Objektes im Nominativ (Das ist der Junge. Da ist der Teller.). Mit dem bestimmten Artikel bezeichnen sie einen Gegenstand, der in der konkreten Kommunikationssituation in genau einem Exemplar vorhanden ist und vom Kind dadurch eindeutig identifiziert werden kann.


  • In der überwiegend handlungsbezogenen Sprache werden häufig telische (auf einen konkreten Zweck) bezogene Handlungsverben gebraucht, die hinsichtlich der sprachlichen Abbildung des Handlungsobjektes den Akkusativ erfordern (Gib mir den Baustein! Hole den Teller!)


Die ersten Artikel erscheinen etwa im ersten Vierteljahr des dritten Lebensjahres. Der Artikel kennzeichnet u. a. neben Genus und Numerus den Kasus des Substantives. Durch diese Vielzahl grammatikalischer Markierungen ist der Erwerb des richtigen Gebrauchs nicht einfach. Hinzu kommt, dass dialektale (bzw. mundartliche) Verwendungsweisen den Erwerb standardsprachlicher Gebrauchsweisen zusätzlich erschweren können (z.B. im Berlinischen / Brandenburgischen: "Wir gehen zu die Kinder.")

Beispiele für artikelhaltige Äußerungen im alltäglichen Sprachangebot:
- "Den hier?" wird häufig beim Spiel mit Bausteinen gefragt, wenn bestimmte gesucht und/oder übergeben werden. - "Wo hast du den Schuh?", "Wo hast du den Teddy hingetan?" wird häufig bei der Suche nach den betreffenden Gegenständen gefragt. - "Gib mir mal den Stift!" (bzw. "Gib mir den Roten!") wird oft beim Malen geäußert. - "Hol' mal den Kinderwagen!" o. ä. hört das Kind häufig in Aufforderungen - "Ich nehme den Hund.", "Ich nehme den Bagger." o. ä. hört das Kind häufig als Handlungskommentierungen im gemeinsamen Spiel.


Dialogbeispiele für erste spontan-initiative Äußerungen mit Artikeln:


ALTER:       2:3
SITUATION:   Bei einer Radfahrt wird das Kind gefragt:
ERWACHSENER: Was steht denn da hinten, dort? [zeigt]
KIND:        Da hinten, der Pferdchen.


ALTER:       2;3
SITUATION:   Das Kind entdeckt eine (bekannte) Kapitänsfigur in einem Regal:
KIND:        Papa, den Kaffeetän den gehört dir!


ALTER:       2;7
SITUATION:   Als sich beim Spiel ein Rad löst:
KIND:        Der Rad ist abgegangt!


ALTER:       2;8
SITUATION:   Das Kind sieht spielende Kinder:
KIND:        Was machen die Kindern?


In der Zeit den beginnenden Artikelgebrauchs werden Artikel fehlerhaft aber auch korrekt im Äußerungskontext gebraucht. Oft werden Artikel und Kasusendungen noch nicht "abgestimmt" verwendet.




Abb.: Das Kind ergreift beim Spiel mit Bausteinen einen dachähnlichen Baustein (Alter: 2;10)


ALTER:       3;0
SITUATION:   Das Kind lädt Bausteine (symbolisch = Gras) auf sein Lastauto, fährt an eine andere
             Stelle, kippt sie ab und äußert:
KIND:        Den Kühe hab' ich Gras gegeben, Heugras!




Abb.: Als das Kind mit seinem Spielpferd auf das Sofa gesprungen ist (Alter: 3;3)


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Diese Seite ist Bestandteil des Informationsangebotes "Die frühe Sprachentwicklung des Kindes"
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Autor: Bernd Reimann © 1998-2017




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