Abb.: Spontane Mitteilung des Kindes nach dem Verlassen der Wohnung (Alter: 3;7)

Was in diesem Dialog passiert:
Das Kind hört, wie die Ereignisse sprachlich folgerichtig aufbereitet werden
- "wenn" » konditional (Bedingung angebend)
- "dass" » konsekutiv (Folge angebend)
- "obwohl" » konzessiv (einräumend)


Anzeichen für einen metakognitiven Sprachgebrauch sind ab dem 4. Lebensjahr zu beobachten. Das Kind beginnt, Sprache und Denken "von außen zu betrachten". Dies wird z.B. in folgenden Situationen deutlich:
  • Äußerungen wie "Das heißt nicht so!"
  • Äußerungen wie "Der denkt..."
  • Erkennen, dass jemand etwas Falsches gesagt hat
  • Heraushören von Wörtern in öffentlichen Ansagen, z.B. bei einer Stationsansage in einer S-Bahn: "Der hat ´Karow´ gesagt."
  • die Sprecherrolle bewusst jemand übergeben: "Du sollst das sagen!"
  • Erstes Verständnis dafür, dass verschiedene Personen gleiche Dinge anders benennen bzw. Sprache anders gebrauchen
  • Erste Bewertungen des Sprechens: "Die spricht so komisch!"
  • ein gerade selbst gesprochenes Wort kann lautlich korrigiert und/oder in Ansätzen inhaltlich anders erklärt werden
  • Lautheit des eigenen Sprechens "steuern" können
Ein wichtiger Bestandteil der sog. metakognitiven Sprache sind Verben, die mentale Vorgänge bezeichnen: denken, meinen, glauben, entscheiden, erinnern, vergessen, wundern, wissen, schwindeln/lügen.... Sie beziehen sich auf nicht sichtbare Aspekte bzw. Formen des Handelns und Seins.

Mit den metakognitiven Fähigkeiten entwickelt sich nach WAGNER (2010) und RAKIC (2013) auch zunehmend die Fähigkeit, zwischen den Sprachregistern innerhalb einer Sprache verstehensbezogen zu unterscheiden. Solche Register sind z.B.:
- Säuglingsgerichtete Sprache (IDS, Infant Directed Speech)
- Umgangssprache (casual speech)
- Formelle Sprache (Standardsprache, "Höflichkeitssprache", formal speech)





Abb.: Im Alter von 2;11 Jahren hebt das Kind die Tortenschaufel hoch und zeigt sie der Mutter. Den Namen erinnert es aus einer Geschichte, die es vor einigen Tagen hörte.


Äußerungen von Bezugspersonen, die einen metakognitiven Gebrauch der Sprache beinhalten und ihn damit auch befördern:

  • "Ich sage dir mal ein anderes Wort dafür!"
  • "Das muss man so sprechen, sonst versteht man das nicht."
  • "Der sagt dazu immer ‚Pantoffeln' statt ‚Hausschuhe'"
  • "Er / Sie wohnt in ...., dort spricht man manches anders."
  • "Das ist eine andere Sprache, das ist ...."
  • "Der denkt, dass man ihn nicht versteht, deshalb redet er so."
  • "Ich glaube, dass sie jetzt gelogen/geschwindelt hat."




ALTER:       3:10
SITUATION:   Auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier hört das Kind die Mutter sagen:
ERWACHSENER: Ach, jetzt habe ich die Karte vergessen. (läuft zurück)
KIND:        Hat die Mutti nicht dran gewusst! ("kommentierend")
ERWACHSENER: Die Mutti hat nicht dran gedacht.




Abb.: Metakognitive Zuschreibung: Etwa im 4.Lebensjahr beginnt das Kind, anderen Personen zuzuschreiben, dass sie an/über etwas denken können. Damit im Zusammenhang steht auch das sich entwickelnde Verständnis rekursiver Strukturen in der Sprache (z.B. das mehrfache Auftreten gleicher Nebensatzformen in einer Satzstruktur).





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Autor: Bernd Reimann © 1998-2017